Scrum Master: Rolle und Aufgaben

Scrum Master – Der Intendant der agilen Kultur
Klaus Riedel - Agile Coach

Klaus Riedel

Scrum Coach und Agile Transformer Klaus Riedel teilt hier sein Wissen über Agile Scrum

Über den Scrum Master wird viel geschrieben, millionenfach (>13 Mio Einträge in Google) wurde bereits beschrieben, was ein Scrum Master tun soll, wofür er steht und wie seine Rolle innerhalb von Scrum definiert ist. Und dennoch gehört diese Rolle in der Praxis zu der wohl am Meisten unterschätzten Rolle in Scrum. Wie kann das sein?

In diesem Artikel wird es nicht so sehr darum gehen, den vielen Millionen Beschreibungen der Rolle, noch eine weitere hinzuzufügen, sondern sie in den richtigen Kontext der drei Scrum Rollen einerseits und zwischen Scrum Team und Organisation andererseits zu setzen.

Wie verhält sich die Scrum Master Rolle also in Bezug auf seine Scrum-Team-Kollegen und wie interagiert er mit der Organisation.

Worauf ich hier verweisen möchte, ist ein sehr kultureller Aspekt und damit geht es schon gleich ziemlich zur Sache.

Die Aufgaben des Scrum Master

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Die Rolle des Scrum Master

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3 Rollen im Kulturwandel

Kultur ist ohnehin ein problematischer Begriff, denn darunter kann irgendwie alles oder nichts verstanden werden und er wird oft auch für etwas im Detail schwer zu Definierendes verwendet.

Ich verwende den Begriff Kultur hier als ein „tradiertes Set von Einstellungen und Verhaltensweisen“. Wenn der Begriff „tradiert“ hier schon auftaucht, dann ist damit auch klar, dass eine agile Kultur nicht in drei Monaten herzustellen ist.

Das wiederum sollte aber auch nicht als Alibi verwendet werden, wenn drei Monate nach der Einführung agiler Methodik noch keinerlei Effekte sichtbar sind.
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Das kulturelle Problem, auf das ich hier hinweisen möchte, entsteht nicht durch die Rolle des Scrum Masters, aber aus praktischer Sicht betrifft es sie wohl mit am Meisten. In jedem Fall ist es eins, welches viele Organisationen gar nicht so auf dem Radar haben, wenn sie agile Methodik einführen und dies erschwert die Arbeit von Scrum Mastern enorm, denn sie müssen der Orgnisation dann die schlechte Botschaft überbringen oder – noch schlimmer – diesen kulturellen Change einfordern.

Keine leichte Aufgabe, wenn man sich die Dimension des Problems verdeutlicht. Aber jetzt zum Problem selbst:

Scrum als Implementierungsmethodik kommt mit drei Rollen aus. Alles, was in der Implementierung eines Projektes oder Produktes zu verhandeln gibt, wird zwischen Product Owner, Scrum Master und cross-funktionalem Dev-Team ausgehandelt.

Man kann sich leicht vorstellen, dass dies zu einer enormen Aufladung jeder einzelnen Rolle mit Aufgaben und Verantwortung führt, umso mehr wenn das Produkt sehr komplex ist, die Organisation skaliert oder ganz neue Technologien und Verfahren eingeführt werden.

Das kann nur funktionieren, wenn die einzelnen Rollen sehr autark aber gleichzeitig perfekt aufeinander abgestimmt sind.

Damit rütteln sie aber an einem Teil des Fundaments unserer aktuellen Zivilisation, weshalb wir auch das große Wort „Kulturwandel“ bemühen.

Gerüttelt wird an unserem Autoritätsmodell. In unserer Gesellschaft, und demzufolge auch in nahezu allen Organisationen kennen wir zwei Autoritätsmodelle, die deontische Autorität, also die Zuschreibungsautorität und die epistemische Autorität, also die Wissensautorität. Nach diesem Prinzip funktionieren wir schon seit einigen hundert Jahren, mal die eine, mal die andere mehr betonend.

Scrum führt ein neues Autoritätsmodell ein, das weder rein epistemisch ist, noch rein deontisch, sondern irgendwie anders.

Jede der drei Rollen ist einerseits sehr spezialisiert, das ist der epistemische Teil, hat aber Kraft seiner Rolle entsprechende Entscheidungskompetenz.

Das ist sogar etwas anders, als beispielsweise in unserer Regierung, wenn man sich die Ministerrunde ansieht. Die Minister selbst sind keine Experten in ihrem Fachgebiet und sollten sich die Minister nicht einig sein, greift die sogenannte Richtlinienkompetenz der Kanzlerin. In den meisten Unternehmen ist diese deontische Hierarchie sogar noch stärker ausgeprägt.

Für agiles Arbeiten ist das aber nicht gut, denn das Wesen agilen Arbeitens besteht darin – mal von allen agilen Evangelien abgesehen – dass sehr schnell gute und richtige Entscheidungen auf Basis von nur wenigen Informationen getroffen werden müssen. Es gibt keine vollständige Spezifikaiton, die Software wird gleichzeitig aber immer komplexer und die Deadlines drücken wegen immer brutaleren time-to-market Anforderungen, um das ganze Problem in einem Satz zu beschreiben.

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Was in einer solchen Situation noch übrig bleibt, sind die Akteure, weshalb sich Scrum ja auch mehr mit den Menschen beschäftigt, während Wasserfall sich eher mit Prozessen und Architekturen befasst hat.

Dieses Problem inklusive der Ursache und damit auch der Tragweite ist vielen Organisationen bei der Einführung agiler Methodik gar nicht bewusst und das führt dann oft zu einer sehr verkürzten oder mechanischen Einführung von agilen Rollen und Prozessen. Anders ausgedrückt:

Ohne diesen notwendigen kulturellen Wandel spielt eine Organisation bestenfalls großartiges Scrum-Theater, aber wird es schwer haben, die Methodik so auf die Straße zu bringen, dass die ökonomischen Ziele sicher erreicht werden können.

Der Scrum Master – und das ist der Grund für diesen Exkurs – ist nun der erste Protagonist für diesen kulturellen Change. In einem Satz könnte man die drei Rollen in Scrum ungefähr so zusammenfassen:

Der Product Owner hat die Hoheit über das Backlog, der Scrum Master über die Methodik und das Dev-Team über die Implementierung.

Welche rolle spielt der Scrum Master?

Betroffen sind von diesem kulturellen Change natürlich alle drei Rollen gleichermaßen, aber der Scrum Master ist hier ganz klar der Leader indem er die Verantwortung für die Methodik hat.

Diese Rolle wird in vielen Organisationen sehr unterschätzt und Scrum Master sind dann eher auf die Rolle eines besseren PMOs zurückgeworfen, in der sie die Meetings artig organisieren und vielleicht auch moderieren und sich ganz im Allgemeinen „kümmern“.

Ihnen fehlt es oft am nötigen Rückhalt durch die Organisation und an Respekt bei oft alteingesessenen Entwicklerteams, die ja alle schon vorher da waren.

In einer solchen Konfiguration ist es dann schwer, einen so fundamentalen kulturellen Wandel einzuleiten, was den Scrum Mastern dann wiederum oft auch noch vorgeworfen wird. Ein Teufelskreis.

SAFe weist daher ganz zurecht darauf hin, dass ein Management-Commitment für einen agilen Change nicht mehr ausreicht, sondern dass das Management einen solchen Change selbst treiben muss. Das kann das Management nicht an die Scrum Master delegieren.

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Die Scrum Master werden diesen Change in die Teams tragen und natürlich wirken sie auch auf die Projektorganisation, aber agiles Arbeiten ist ein so umfassender Prozess und ein so umfassender Change, dass Scrum Master alleine das nicht bewältigen können.

Da sind auch die Botschaften der Communities bis hin zu den großen Organisationen wie Scrum.org oder Scrum Alliance nicht besonders hilfreich, die suggerieren, man könnte Scrum in einem Dreitageseminar erlernen und 80 Fragen beantworten und schwups, ist man zertifizierter Scrum Master.

Real ist die Situation doch eher vergleichbar mit einem Facharzt, der nach seiner Approbation noch einige Jahre praktische Erfahrung sammeln muss, um eigenverantwortlich auf die Patienten losgelassen zu werden.

Denn die Rolle des Scrum Masters beschreibt doch eher einen Intermediate. Er sitzt zwischen Product Owner, Dev-Team und Organisation. Er ist eben nicht nur Freund und Anwalt des Entwicklungsteams, dem er zweifellos am nächsten steht.

Er ist in der Rolle die Methodik gegenüber allen Beteiligten durchzusetzen.

Das ist oft schmerzhaft, ganz besonders deshalb, weil das agile Arbeiten in der Praxis ja für alle zunächst neu ist, oft auch für den Scrum Master selbst. Oft sage ich dann in meinen Trainings, dass Scrum Master Menschen sein sollten, die nicht viele Freunde brauchen sollten. Das ist natürlich eine übertriebene Darstellung und ich will die Rolle auch nicht schwarzmalen.

Protagonist eines solchen Kulturwandels zu sein, kann extrem spannend und befriedigend sein, sollte es sogar und die Organisationen wären gut beraten, ihre Scrum Master entsprechend zu behandeln.

Vor allem müssen sie mit der notwendigen Autorität ausgestattet werden, einer Autorität, die Compliance-Charakter hat, also ähnlich wie Datenschutzbeauftragter oder Betriebsrat, denen auch ungern widersprochen wird.

Was sind die Aufgaben eines Scrum Master?

Die Herausforderung für Scrum Master, und das ist auch der Grund, warum sie eine dem Fachartz vergleichbar längere praktische Ausbildung bräuchten, besteht nicht darin zu erklären, wie Scrum funktioniert. Sondern sie besteht darin ein Konzept zu entwickeln, wie Teams und Projektorganisationen in der konkreten Situation dahin gebracht werden.

  • Wie werden Teams trainiert um Commitments herzustellen aber vor allem zu halten?
  • Wie sollen Organisationen ihren Demandmanagementprozess auf agile Methoden abstimmen?
  • Wie wird eine DevOps-Kultur implementiert, sodass ein nahtloser Übergang von Entwicklung und Produktion erfolgen kann?
  • Wie wird eine Organisation auf vertikal-arbeitende Teams vorbereitet?

Das sind Beispiele für Fragen, die weit über das Erklären von Sprints, Dailys oder Retrospektiven hinaus gehen, aber unmittelbar mit dem ökonomischen Erfolg einer Organisation in Verbindung stehen, bzw. diesen maßgeblich beeinflussen.

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Organisationen, aber auch viele agile Coaches sind oft sehr schnell dabei die Methode zu customizen, weil sie denken, dass ihre Organisation ganz anders ist, als alle anderen. Das mag stimmen, aber das bedeutet nur, dass der Weg zur agilen Methode sehr unterschiedlich verlaufen muss und auf diese spezielle Organisation abgestimmt werden muss, nicht die Methode selbst.

Commitment beispielsweise ist ein Grundwert in Scrum, der nicht verhandelbar ist.

Aber der Weg, wie ein Scrum Master Teams trainiert und in der Organisation entsprechende Rahmenbedingungen setzt, die das unterstützen (und nicht geradezu verhindern), der kann hochindividuell sein. Und um diesen zu finden brauchen Scrum Master viel praktische Erfahrung.

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